09/07/2025
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𝗚𝗿𝗼ß𝗲𝗿 𝗧𝗮𝗴 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲 - 𝗴𝗿𝗼ß𝗲 𝗙𝗿𝗲𝘂𝗱𝗲.
"Wind, Wellen, Ewigkeit" erscheint heute. Das Buch, das Silke von Bremen und ich in die Welt gebracht haben, ist ab heute offiziell im Buchhandel erhältlich: Geschichten von Sylter Gräbern und denen, die da drin liegen. Von denen, die auf Sylt einen Unterschied gemacht haben.
Der Zeitschrift "DIE STILISTEN" habe ich dazu ein Interview dazu gegeben:
𝗪𝗶𝗲 𝗸𝗮𝗺 𝗲𝘀 𝘇𝘂 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗿 𝗜𝗱𝗲𝗲 𝗳ü𝗿 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝘀 𝗕𝘂𝗰𝗵?
Erstaunlicherweise habe ich im letzten Jahr zum ersten Mal in meinem Leben den Dünenfriedhof in List besucht. Er liegt
sehr versteckt. Man gelangt nur auf verschlungenen Pfaden dorthin. Ich dachte, ich hätte auf Sylt schon alles gesehen.
Aber dieser Friedhof war mir unbekannt. Faszinierend – und vor allem unwegsam. Dort fiel mir schnell das Grab von Dora
Heldt auf. „Die Sylter Schriftstellerin?“, wunderte ich mich.
„Aber die lebt doch noch?“ Das hat mich vollkommen irritiert. Und dann klärte mich meine Freundin Silke von Bremen auf.
Sie ist Gästeführerin und weiß wirklich alles über die Insel. Die Dora Heldt vom Dünenfriedhof war die Großmutter der Autorin. Und die aktuelle Dora Heldt hat sich zum Romaneschreiben den Namen ihrer Oma ausgeliehen. Und Silke erzählte mir dann von weiteren Persönlichkeiten auf diesem Friedhof – wie zum Beispiel der Pastorin Hannelore Frank aus List, die als erste Frau 1969 im Deutschen Fernsehen das „Wort zum Sonntag“ gesprochen hat und wegen ihrer lackierten Fingernägel einen Sturm der Entrüstung auslöste. Wir redeten und redeten, und dann war schnell klar: Es gibt eine Menge Gräber auf Sylt, die es im Wortsinn in sich haben. Darüber wollten wir schreiben. Aber nicht allein, sondern zusammen mit Autoren und Autorinnen wie etwa Ole von Beust, die selbst einen Bezug zur Insel haben.
𝗪𝗲𝗹𝗰𝗵𝗲 𝗱𝗲𝗿 𝗚𝗲𝘀𝗰𝗵𝗶𝗰𝗵𝘁𝗲𝗻 𝗵𝗮𝘁 𝗦𝗶𝗲 𝗻𝗮𝗰𝗵𝗵𝗮𝗹𝘁𝗶𝗴 𝗯𝗲𝗲𝗶𝗻𝗱𝗿𝘂𝗰𝗸𝘁?
Eine meiner Lieblingsgeschichten hat die Autorin Claudia Thesenfitz beigesteuert. Sie hat die Westerländer Buchhändlerin Charlott Frank porträtiert, an die ich mich persönlich noch gut erinnern kann, weil sie so auffällig war. Klein, energisch, charismatisch. Was ich aber nicht wusste: Charlott Frank hat sich in den letzten Kriegstagen auf einem alten Fahrrad von Süddeutschland bis nach Sylt durchgekämpft, um in der Friedrichstraße ihren Laden wiederzueröffnen. Was Rang und Namen in der bundesdeutschen Literatur hatte, kehrte dort ein. Die Badebuchhandlung gibt es heute noch. Nicht losgelassen hat mich aber auch der Text über Harm Müsker, einen ertrunkenen Seemann, der 1890 auf dem Friedhof der Heimatlosen in Westerland
beigesetzt wurde. Der Schriftsteller Jan Brandt hat sich auf die Suche nach den Verwandten von Harm Müsker begeben und sie sogar gefunden. Eine Geschichte, die in Erinnerung bleibt.
𝗨𝗻𝗱 𝘄𝗲𝗹𝗰𝗵𝗲𝗿 𝗱𝗲𝗿 𝗮𝗰𝗵𝘁 𝗦𝘆𝗹𝘁𝗲𝗿 𝗙𝗿𝗶𝗲𝗱𝗵ö𝗳𝗲 𝗶𝘀𝘁 𝗜𝗵𝗿 𝗙𝗮𝘃𝗼𝗿𝗶𝘁?
Westerland, der alte Friedhof von St. Niels. Wenn man lebendige Sylter treffen will, geht man da hin. Da findet man dann auch die Gräber der Westerländer Familien, die ich in meinen Büchern beschreibe. Es ist ein wunderbarer Friedhof. So lauschig.
𝗪𝗶𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗦𝗶𝗲 𝘀𝗰𝗵𝗼𝗻, 𝘄𝗼 𝗦𝗶𝗲 𝗯𝗲𝗲𝗿𝗱𝗶𝗴𝘁 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲𝗻 𝘄𝗼𝗹𝗹𝗲𝗻?
Ich will auf den größten Friedhof der Insel, ins Meer. Da will ich hin, das fühlt sich richtig an.
Das Interview führte Caroline Börger
Wind, Wellen, Ewigkeit.
Geschichten von Sylter Gräbern
200 Seiten, Hardcover, 24,00 €
mit Fotos von Hans Jessel
Zum Beispiel zu beziehen über: Badebuchhandlung