24/05/2025
Trotz Leerstand im Stadtteil:
Psychotherapeutin möchte Horster Kinder versorgen –
wo kann sie ihre Praxis eröffnen?
Eigentlich war es eine gute Nachricht für die Stadt Gelsenkirchen: 2024 hat die Kassenärztliche Vereinigung neue Zulassungen für Psychotherapeut*innen im gesamten Stadtbereich vergeben. Die Kindertherapeutin Dr. Felicitas Bergmann gehört zu dem Kreis derer, die eine Praxis eröffnen dürfen – in ihrem Fall in Gelsenkirchen-West, denn hier ist der Bedarf besonders hoch. Mehr Therapieplätze für Kinder und weniger Leerstand im Stadtteil, das klingt nach einer gelungenen Mischung für die Horster Bürgerschaft, doch so einfach ist es leider nicht.
„Es gibt zwar etliche freie Gewerbeeinheiten, aber vielfach handelt es sich dabei um Ladenlokale. Die sind meist nicht so geschnitten, wie ich es für meine Praxis bräuchte,“ erklärt die Verhaltenstherapeutin, die unter anderem auf ADHS und Autismus spezialisiert ist. Vermieter*innen scheuten oft die Umbauten, die dann notwendig würden. Außerdem wäre häufig eine Nutzungsänderung notwendig, die das Bauamt genehmigen müsse. „Die Mühlen der Bürokratie mahlen leider sehr langsam. Ich habe mir sagen lassen, dass ein halbes Jahr Bearbeitungszeit keine Seltenheit sind,“ fügt sie hinzu. Darauf ließen sich Vermieter*innen verständlicherweise ungern ein.
Zuletzt gab es daher in letzter Minute eine Absage – eigentlich waren passende Räumlichkeiten gefunden, ein Vertrag war aufgesetzt, die Kassenärztliche Vereinigung gab grünes Licht. Doch die notwendigen Renovierungsarbeiten und der Antrag beim Bauamt schreckten den Vermieter schlussendlich doch ab. Eine große Enttäuschung für Bergmann, deren Suche nun von vorne beginnt. „Die langen Bearbeitungszeiten beim Amt sind wirklich ein Ärgernis,“ resümiert sie. „Wenn die Stadt Gelsenkirchen den Leerstand bekämpfen möchte, müsste da zuerst angesetzt werden.“
Nun drängt die Zeit: „Wenn die Kassenärztliche Vereinigung neue Praxen zulässt, möchte sie natürlich sicherstellen, dass die Bürger*innen schnell versorgt werden. Ich habe mich daher intensiv auf die Suche begeben und bereits eine Fristverlängerung beantragt,“ führt die Verhaltenstherapeutin weiter aus. Nachdem die Suche über das Internet nicht erfolgreich war, schaltete sie selbst Anzeigen in verschiedenen Zeitungen, doch auch die brachten nicht den Durchbruch. Schließlich griff sie zu ungewöhnlichen Mitteln und durchforstete den Stadtteil zu Fuß, Straße für Straße, sprach mit den Horster Bürger*innen und teilte Handzettel mit ihrem Gesuch aus.
Die Kindertherapeutin ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Horster*innen, die sie mit Tipps und Ideen versorgten: „Ich hatte einige interessante Begegnungen mit Menschen, die meine Suche gerne unterstützen wollten. Meine Zettel wurden aufgehängt, Freund*innen und Bekannte angerufen, und schließlich hatte ich sogar vom Bezirksbürgermeister Joachim Gill persönlich eine Nachricht auf der Mailbox.“
Doch der entscheidende Tipp war bisher noch nicht dabei. Felicitas Bergmann sucht Büro- bzw. Praxisräume zwischen 40 und 100 m2, idealerweise zwei Räume plus Küche/Wartebereich rund um das Zentrum von Horst. „Beckhausen ist eventuell auch noch möglich, aber kein anderer Stadtteil,“ ergänzt sie. „Denn das Angebot wurde ja gezielt für die Bürger*innen vor Ort geschaffen.“
Falls Sie einen Hinweis haben, wenden Sie sich gerne direkt an Frau Dr. Bergmann: Telefonisch unter 0175 987 97 94 (Mailbox/SMS) oder per E-Mail an [email protected]. Von Therapieplatzanfragen bittet sie zunächst abzusehen, damit sie sich voll und ganz auf die Praxiseröffnung konzentrieren kann.
Zum Foto: Steht hoffentlich bald für die Horster Kinder zur Verfügung: Psychotherapeutin Dr. Felicitas Bergmann